Zurüruck zum Inhalt

Man fasst es nicht! Hedgefonds wollen Menschenrecht auf Rendite einklagen

Zwar schon einige Tage her, aber immer noch eine Ungeheuerlichkeit!

Wie in der Online-Ausgabe des Spiegels am 19.01.2012 zu lesen war, wollen internationale Hedge-Fonds Griechenland im Falle eines Schuldenschnitts vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verklagen! Ein von der griechischen Regierung erzwungener Schuldenschnitt sei ein Eingriff in das Eigentumsrecht der Hedgefonds – und das gelte in der EU als Menschenrecht. Aha! Die internationalen Hedgefonds als Hüter der Menschenrechte in Europa. Eine Aussage, die an Zynismus kaum noch zu überbieten ist.

Nur um es noch einmal in Erinnerung zu rufen. Hedgefonds sind die, die Heuschrecken gleich weltweit über Unternehmen herfallen, alles ihren kranken Renditezielen unterordnen und sobald ein Unternehmen ausgesaugt ist, wie ein gefräßiges Insekt weiterziehen. Vorher werden natürlich noch die Firma und insbesondere die Arbeitnehmer mit maximalem Gewinn abgewickelt.

Nicht genug damit, so stehen hinter den meisten Hedgefonds große, weltweit agierende Banken und zwar genau die, die die gesamte Weltwirtschaft aufgrund hochspekulativer Investments vor gerade einmal drei Jahren fast an den Rand des Abgrunds gebracht haben. Die Griechenland-Krise wurde gerade von diesen “ehrenwerten” Unternehmen erst ausgelöst. Überhaupt erscheint aufgrund der jüngeren Vergangenheit der Begriff “Unternehmen” für eine Bank doch weitgehend fehl am Platze zu sein. Unternehmen gehen in der Regel verantwortungsvoll mit ihren Mitarbeitern um, sorgen für ausreichend Eigenkapital, überlegen sich ihre Investionen und damit erzielbare Renditen sorgfältig und sie zahlen selbstverständlich Umsatzsteuer. Im Falle einer Zahlungsunfähigkeit gehen Unternehmen in die Insolvenz und zwar ohne staatliche Hilfe. Ganz anders bei Banken, die genau so freie, an der Börse notierte Unternehmen sind wie jede Firma im produzierende Gewerbe. Banken verfügen in aller Regel kaum über Eigenkapital, investieren blind vor Renditegier in hochspekulative Anlagen, zahlen keine Umsatzsteuer und wehren sich selbst gegen eine lächerlich geringe Spekulationssteuer. Auch das Insolvenzrecht scheint für Banken keine Bedeutung zu haben. Im Falle von wirtschaftlichen Schwierigkeiten hat gefälligst der Staat und damit der Steuerzahler gerade zu stehen.

Aber das ist ja noch lange nicht Alles! Banken zahlen, wie wir jetzt wissen, selbst in wirtschaftlicher Schieflage noch Gehälter, die im produzierenden Gewerbe absolut utopisch sind. Herr Ackermann, der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank hat sich in seinen besten Zeiten ein Jahreseinkommen von ca. 15-20 Mio Euro genehmigt. Man rechne einmal in einer stillen Stunde nach, wievielen tausend Arbeitnehmern in prekären Anstellungsverhältnissen man mit dieser Summe einen Mindestlohn zahlen könnte.

Eine derart verkommene Clique pocht also jetzt auf die unabänderliche Einhaltung ihrer Eigentumsrechte. Wohlwissend, dass sie damit die Wirtschaft in Griechenland vollkommen ruinieren und weite Teile der Bevölkerung ins Elend treiben wird. Ein Menschenrecht auf ein würdiges Leben und vor allem auf Arbeit gibt es eben nicht in Europa.

Der zitierte Artikel bringt mich einmal mehr zu der Überzeugung, dass der Staat dringend erheblich mehr Kontrolle im Bankensektor ausüben muss. Auch Banken müssen endlich begreifen, dass für sie die gleichen Spielregeln der sozialen Marktwirtschaft gelten wie für jedes andere Unternehmen. Die Zeiten des Manchester-Kapitalismus sind lange vorbei!

Jürgen Scherkenbeck

Ein Kommentar

  1. Ralf Weber schrieb:

    Über den Artikel bin ich auch gestolpert.
    Ein Menschenrecht auf Rendite einklagen zu wollen, das ist wirklich der Gipfel!

    Montag, 23. Januar 2012 um 12:24 | Permalink

Einen Kommentar schreiben

Ihre Email wird NIE veröffentlicht oder weitergegeben. Benötigte Felder sind markiert *
*
*