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Quote? – Ja, bitte!

frauenpower_1“Angst vor der Frauenquote” war dieser Tage ein Titel der Zeitschrift Automobilwoche. Mein schlauer Chef las das und sagte: “Das liegt alles daran, dass wir Tätigkeiten, die nicht oder nur schlecht bezahlt werden, so geringschätzen.” Mein erster Reflex war, er meint, dass Frauen hinter den Herd gehören und wenn wir das nicht so gering schätzten, würden das auch viel mehr von denen tun und kämen nicht auf dumme Gedanken von wegen Aufsichtsrat. Also schaltete mein Adrenalinspiegel direkt auf Angriff und ich fragte: “Haben Sie am Wochenende das Buch von Eva Herrmann gelesen oder zuviel Apfelkuchen gegessen?”

Aber natürlich hat er teilweise Recht. Ja, wir schätzen die Tätigkeiten, die nicht oder nur schlecht bezahlt werden zu gering ein! Hausfrauen, Mütter, Erzieherinen, Grundschullehrerinnen, Krankenschwestern, Altenpflegerinnen, Zimmermädchen, Kellnerinnen – alles Berufe, in denen man sich um den Frauenanteil zumindest keine Gedanken machen muss – was den Einkommensanteil angeht aber schon.

Die Frage ist aber, schätzen wir diese Tätigkeiten so gering, weil sie so schlecht bezahlt werden oder werden sie so schlecht bezahlt, weil wir sie so gering schätzen? Und wer bestimmt eigentlich, was wie geschätzt oder bezahlt wird?

Fakt ist: Aufsichtsrats- und Vorstandsposten werden gut bezahlt. Und wen wundert’s? – bereinigt um die Arbeitnehmervertreterinnen sitzen dort über 95 % Männer! In unserer Gesellschaft bestimmt derjenige, der das Geld hat oder verwaltet, wo es langgeht. Und das ist die Wirtschaft, namentlich die Aufsichtsräte und Vorstände. Und so lange diese Gremien “freiwillig” darüber entscheiden, wer die “beste Qualifikation” für einen Posten hat, werden das weiterhin der Bekannte aus dem Golf-Club, der Spezi aus der Studentenverbindung oder der Kollege aus dem Aufsichtsrat des anderen Unternehmens sein, in dem man selbst auch sitzt. Außer vielleicht bei Herrn Ackermann: Der wünscht sich Frauen in den Gremien, damit es dort “bunter und schöner” wird…

Selbst die Corporate-Governance-Kommission (das sind die, die festlegen, was anständig ist für Aufsichtsräte) hat schon 2009 gesehen, dass die jahrelange “freiwillige” Verpflichtung nichts gebracht hat und eine gesetzliche Quote, wie schon damals von der SPD gefordert, wahrscheinlich unausweichlich werden würde. Das jetzt sogar europaweit an einem Entwurf gearbeitet wird und vermutlich deshalb auch Frau von der Leyen nach langem Zögern endlich auf den Zug aufspringt, ist nur zu begrüßen.

Wo ist Rüttgers?

Das wollte ich den Lesern doch nicht vorenthalten
(aus dem Landtagsblog des WDR):

Schneechaos in NRW: Wo ist Rüttgers?

Das ist ein ganz einfaches mathematisches Rechenspiel: Rot-Grün hat eine Mehrheit, wenn zwei Abgeordnete der anderen Fraktionen fehlen, sich zwei enthalten oder einer von CDU, FDP und Linke für einen rot-grünen Plan stimmt. So ist die parlamentarische Logik in dieser Legislatur. Aber inzwischen ist die Rechnung wohl eine andere, weil es gibt ja den ehemaligen Ministerpräsidenten, den Abgeordneten Jürgen Rüttgers. Der fehlt zwar selten. Aber auffällig oft, wenn es um die Wurst geht.

Dass Rot-Grün bis heute noch keine Abstimmungsniederlage erlitten hat, ist nicht nur ein Verdienst der Linken, die heimlich mitregiert. Diese Weisheit mag ja unter der schwarz-gelben Opposition weit verbreitet sein. Aber es liegt auch an Jürgen Rüttgers. Bei der Zufallsmehrheit im sozialen Wohnungsbau im Oktober war es auch das Fehlen des Abgeordneten Rüttgers, dass die Union zu wenige Parlamentarier anwesend hatte, um der Minderheitsregierung eine Schlappe beizubringen.

Und auch heute schwänzt Rüttgers. Eben an jenem Plenartag wo es um die “Kleinigkeiten” Nachtragshaushalt, Jugendmedienschutzstaatsvertrag (Was für ein Wort) und Gemeindewirtschaftsrecht (Noch so ein Wort) geht. Da werden dann alle Spekulationen unnötig, die vorher in den Redaktionen gemacht wurden. Was haben wir uns unter den Kollegen die Köpfe heiß gerechnet, wie Rot-Grün seine Mehrheit beim Nachtragshaushalt bekommt? Was haben die Linken auf ihrem Parteitag debattiert, wie sie sich bei der Abstimmung verhalten wollen? Was haben wir gerätselt, ob es für die Mehrheiten im Plenum zwischen SPD, Grünen und Linken klammheimliche Deals gegeben hat? Alles für die Tonne!

Dank Jürgen Rüttgers. Denn der sorgt für eine Mehrheit von Rot-Grün! Da der CDU eine Abgeordnete eh fehlt, weil sie schwer erkrankt ist, darf keiner in der Opposition zusätzlich fehlen. Doch genau dieser eine Weitere, der fehlt, ist Jürgen Rüttgers. Er weilt nämlich heute in Rom, auf Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Somit – wir erinnern uns an die Rechnung vom Anfang – fehlen zwei Oppositionspolitiker. Aus der Minderheitsregierung wird eine Mehrheitsregierung. Ziemlich blöd für die CDU: Geschlossene Reihen, wie bei den anderen vier Fraktionen, sehen anders aus. Und deshalb brodelt es auch in der Fraktion. Ein hochrangiges Mitglied fragt sich schon, wie man es einem jungen Abgeordneten der Union erklären soll, immer da zu sein, wenn der prominenteste Parlamentarier am Tag der wichtigsten Plenarsitzung des Jahres fehlt. Und bei SPD, Grünen, FDP und Linken wird man sich angesichts des Schneetreibens fragen: “Wo ist Rüttgers?” – frei nach Bruno Moravetz, der beim Kommentieren eines Skilanglaufs immer wieder ins Mikro brüllte: “Wo ist Behle?”

Eine Scheibe Welt – Gedanken zum Ortsverein

Der Ortsverein ist die heile Welt des Sozialdemokraten, auch des Gast-Sozis. Im Ortsverein ist die Welt noch in Ordnung. Hier erhält der Sozialdemokrat Orientierung für die verwirrenden Prozesse in Politik, Wirtschaft, Medien, Alltag, Kirche oder Gewerkschaften. Hier trifft er auf Gleichgesinnte, auf Solidarität, auf Empathie. Hier werden die entscheidenden Debatten für den Kurs der gesamten Partei, mithin auch der gesamten Gesellschaft geführt. Hier wird entschieden, über die Zukunft des Gemeinwesens. Der Ortsverein ist Welt, mindestens aber das Tor zur Welt. Man kann nicht bundesunmittelbares Mitglied einer Partei sein in Deutschland, da sei das Parteiengesetz vor. Man kann auch nicht Mitglied eines Landesverbandes werden. Man ist Parteimitglied durch die unmittelbare Verbindung zum Ortsverein. Es gilt in allen Parteien das strenge Örtlichkeitsprinzip. Mit anderen Worten: Man kann sich seine Gleichgesinnten gar nicht aussuchen. Man ist Sozialdemokrat am Ort. Die Gleichgesinnten sind schon da, bevor man Mitglied wird oder Gast. Die eigene Aktivität, die eigene Leidenschaft, der eigene Veränderungswille, die Bereitschaft, sich einzumischen, mitzutun, aktiv zu werden, steht und fällt mit der Verfassung der Partei im Ortsverein.   Wie erlebt nun der gemeine Sozialdemokrat oder der noch gemeinere Gast-Genosse seinen Ortsverein? Erstens erlebt er ihn zwei- oder dreimal im Jahr. Mitgliederversammlung, Jahreshauptversammlung, Wahlauswertung, bestenfalls noch eine besinnliche Weihnachtsrunde zum Jahresausklang. All diese Veranstaltungen machen schnell deutlich: die passive Partei-Mitgliedschaft ist heute die Regel. In den Versammlungen trifft sich nur noch der “harte Kern”, treffen sich die Unentwegten, jene, die noch nicht aufgegeben haben angesichts spröder Regularien, die die meisten Sitzungen beherrschen. Da müssen Delegierte gewählt werden, Ersatzdelegierte, Kassenprüfer, Beisitzer, Mandatsprüfer, Wahlausschüsse. Da werden Berichte gehalten, aus den Untergliederungen der Partei, dem Vorstand, der Fraktion, den Arbeitskreisen, und schließlich der Kassenbericht. Allesamt selten prickelnd. Allesamt selten prickelnd formuliert. Die Mitglieder des Ortsvereins beugen sich einem “quasi-hegemonialen” Regelwerk, wie es Hanno Burmester, 2006 bis 2009 Mitarbeiter in der SPD-Parteizentrale und in der SPD-Bundestagsfraktion, heute Berater für politische Presse-und Öffentlichkeitsarbeit, im Freitag formuliert hat. Der harte Kern, jene Mitglieder, die sich von Zeit zu Zeit noch auf den Versammlungen des Ortsvereins blicken lassen, gehören unterschiedlichen Gruppen an. Die kleinste Gruppe stellen die Mitglieder ohne Funktion, ohne Amt, ohne Mandat. Die größeren Gruppen stellen jeweils die Mitglieder und Mitarbeiter der Fraktion und die Mitglieder und Mitarbeiter des Ortsvereinsvorstandes. Im kleinen Ortsverein, im Ortsverein einer kleinen Stadt ist nicht ohne weiteres sofort auszumachen, wer die Partei führt und wer die Fraktion. Die Grenzen sind fließend. Die Folge: Die kommunalpolitische Debatte, die politische Debatte wird gefiltert vom kommunalpolitischen Expertentum der Fraktion. Ist das Thema wichtig für den Stadtrat und sein Ausschüsse, haben wir dort Handlungsmöglichkeiten, können wir Mehrheiten erzielen? Stehen Verwaltungsvorschriften im Wege, sind alle Gesetze beachtet, lassen sich Gleichgesinnte finden in anderen Fraktionen? Politik, Kommunalpolitik wird aus dem Fokus der Fraktion entwickelt, bewertet, kritisiert, unterstützt oder bekämpft. Der Mikrokosmos Stadtrat, Stadtverwaltung, Ausschüsse, Kreistag, Kreisverwaltung, Bürgermeister, Landrat bestimmt, beschreibt, begrenzt Politik.Das Gespräch mit dem Bürger, die Öffnung der Partei, der Dialog mit Menschen anderer oder unterschiedlicher politischer Auffassungen kann unter solchen Ortsvereinsbedingungen nicht wirklich gepflegt werden. Man bleibt unter sich. “Die politische Arbeit vor Ort ist nur noch ein Geist ihrer selbst. Ortsvereine sind sozialer Treffpunkt einiger Unbeirrbarer, zumeist ausschließlich mit sich selbst beschäftigt und für das kommunale politische Leben wenig bedeutsam.” So beschreibt es Hanno Burmester. Dabei zeigen uns die Vorgänge um Stuttgart 21, daß viele Menschen, vermutlich mehr, als in Parteien organisiert sind, durchaus sehr interessiert sind an Politik, an Kommunalpolitik, an Mitwirkung, an Einmischung. Nochmal Hanno Burmester: “Nicht Politik, sondern Parteipolitik steht unter Beschuss. Die Bürgerschaft bekundet der repräsentativen Demokratie ihr Misstrauen – und zeigt gleichzeitig, dass sie am demokratischen Prozess teilhaben möchte. Die Menschen demonstrieren nicht gegen einen Bahnhof, sondern gegen einen Parteienstaat, der den demokratischen Bedürfnissen nicht gerecht wird. Volk und Volksvertreter sind sich nicht nur fremd geworden. Sie haben eine tiefe Abneigung gegeneinander entwickelt. Es gibt keine gemeinsame Sprache, kein gemeinsames Verständnis von Politik und Partizipation. Stuttgart 21 ist Ausdruck der kollabierenden Parteiendemokratie.” Mir scheint, daß die mehr als siebentausend von einer siebzehnjährigen Schülerin gesammelten Unterschriften hiesiger Bürger gegen die Verlegung der Polizeistation Wermelskirchen den gleichen Befund wiedergeben. Bürger und Parteien sprechen nicht mehr unbedingt die gleiche Sprache. Was den Bürgern Problem ist, wird von der Mehrheit der Parteien am Ort als ordentliches Verwaltungshandeln qualifiziert. Jedenfalls war es kein Anlaß für die Parteien und die Kommunalpolitiker, von wenigen Ausnahmen abgesehen, das Gespräch zu suchen, sich einzumischen, den Vorgang zu beschreiben, zu werten, für Zustimmung zu werben. Ergebnis: Die Parteien, mein Ortsverein inklusive, haben, mal wieder, eine Politikgelegenheit ausgelassen. “Politisch aktive Bürger wollen mehr als Zugehörigkeit und Präsenzrecht. Sie wollen inhaltlich mitgestalten und mitbestimmen, wollen inhaltliche Expertise im Zweifel punktuell und konzentriert einbringen – ohne sich dies durch ewige Präsenz im Hinterzimmer verdienen zu müssen. Dieser Trend verstößt jedoch gegen die Prinzipien der Ortsvereinsarbeit. Deshalb blühen NGOs und Bürgerinitiativen, die neue Formen bürgerschaftlichen Engagements geschickter für sich zu nutzen wissen als die Parteien.” Der Ortsverein macht die Welt zur Scheibe. Im abgeschotteten Raum des Kneipenhinterzimmers regieren Selbstgenügsamkeit und Intransparenz und wird kein Blick frei auf die pralle Welt der Kugel. Das gilt im übrigen alles nicht nur für den sozialdemokratischen Ortsverein. Der christdemokratische Ortsverband, der freidemokratische Stadtverband, der Ortsverband der Linken, sie alle kränkeln gleichermaßen. Die Entfremdung zum Bürger ist das Merkmal heutiger Parteien. “Die Parteien haben trotz dieses desaströsen Status Quo immer noch nicht begriffen, wie irrelevant sie für das Alltagsleben der Bürgerschaft inzwischen geworden sind. Mehr öffentlicher Veränderungsdruck tut Not. Wir können die Krise der repräsentativen Demokratie nicht einfach aussitzen. (…) Die Gesellschaft muss sich in ihrem Engagement, ihrem Veränderungstempo und ihrer politischen Kultur nicht an die Parteien anpassen. Die Parteien müssen mit der Gesellschaft Schritt halten. Sonsten gehen sie unter. Und mit ihnen unser Gemeinwesen. (…) Die Reform der Parteienlandschaft ist kein Expertenthema, sondern eine Kernfrage für die Zukunft unseres Gemeinwesens. Hier haben auch Bürger ohne Parteibuch ein Mitspracherecht. Denn die Parteiendemokratie gehört uns allen.” Soweit der Schlußbefund von Hanno Burmester.

Wolfgang Horn

Gegendarstellung

Gegendarstellung zur Berichterstattung zur Polizeistation vom 09.11.2010 in RP-online

In den seitlichen “Infokästen” des Online-Artikels von Frau Tillmanns wird behauptet, ich würde das Engagement der Bürger gegen die Schließung der Polizeiwache belächeln und als Populismus abtun. Gegen diese Darstellung wehre ich mich entschieden.

Nicht das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern war mir Ansatz zum Lächeln (oder gar zum “Verhöhnen”, was im zugehörigen Kommentar versucht wird mir zu unterstellen). Dafür findet sich auch an keiner Stelle ein textlicher Beleg. Wohl aber der populistische Auftritt der FDP und die überzogene Berichterstattung zu dem Thema, durch die es meiner Meinung nach erst zu einem solchen wurde, haben mich inspiriert, das Thema von einer humoristischen Sicht aus zu betrachten. Denn anstatt belastbare Zahlen und Fakten zu liefern, wie ich es in den zitierten Blogs gefordert habe, werden über Mahnwachen und über ein Vokabular, das viel mit Brennen, Qualm und Angst zu tun hat, die Ängste der Bevölkerung geschürt statt entkräftet.

Die Personen, mit denen ich über die Verlegung der Polizeistation gesprochen habe, fanden es nicht wichtig, wo die Polizisten stationiert sind und fühlten sich auch nicht verunsichert. Auch in der Bergischen Morgenpost wurden mehrere Menschen zitiert, denen das Thema überhaupt nicht “unter den Nägeln brennt”, unter anderem auch Bürgerinnen und Bürger aus Burscheid, wo es schon lange keine Polizeistation mehr gibt. So gibt es eben unterschiedliche Standpunkte und wie die demokratischen Mehrheiten dazu sind, sei mal dahingestellt.

Ich wehre mich jedoch entschieden gegen die Form, in der hier nun schon seit Wochen versucht wird, Kommunalpolitikerinnen und -politiker zu diskreditieren, indem behauptet wird, sie würden sich demokratischen Prozessen entziehen und den “Bürgerwillen ignorieren” und “mit Füßen treten”. Demokratie bedeutet auch, unterschiedliche Meinungen zuzulassen. Eben diese unterschiedlichen Meinungen existieren aber auch in der Wermelskirchener Bevölkerung und – quasi als Spiegelbild – in den Wermelskirchener Parteien, wenn auch nicht von jedem Presseorgan wahrgenommen.
ENDE der Gegendarstellung

Anmerkung: So, dann wollen wir mal sehen, was davon veröffentlicht wird und wann und wie.

Auch wenn ich vor ein paar Monaten noch nicht gedacht hätte, dass ich dahin mal verlinken würde, möchte ich auf die Stellungnahme der WNKUWG hinweisen, welche sich ebenfalls heute geäußert hat und zwar auf Ihrer Homepage hier: Bürgerwillen ignoriert – Äpfel und Birnen

Petra Weber
www.petraswelt-online.de

Stell dir vor, es ist Mahnwache und keiner geht hin….

Bürgerprotest in WermelskirchenEine kleine Randnotiz zur von der Lokalpresse hochgekochten Wermelskirchener Provinz-Polizei-Presse-Polit-Posse (kurz: “PPPPP”), aufgenommen in der Haupteinkaufszeit. Vielleicht sind 4000 oder 5000 Unterschriften doch nicht aussagekräftig genug….

webmaster

Polizeiwache Wermelskirchen

Das ist ja zur Zeit ein Thema, das zumindest in der Presse und in anderen Fraktionen ganz schön hochgekocht wird. Ich selbst hab’ auch schon an anderer Stelle etwas dazu geschrieben, aber eigentlich ging es dabei weniger um das Thema selbst, als um den Umgang damit. Auch konnte ich mir mal wieder die eine oder andere scherzhafte Bemerkung nicht verkneifen, was allerdings nicht bedeutet, dass ich mir nicht auch ernsthafte Gedanken zum eigentlichen Stein des Anstoßes mache.

Zum Beispiel denke ich darüber nach, wie hoch oder wie niedrig die Hemmschwelle ist, eine Unterschriftensammlung zu unterzeichnen, die nur danach fragt, ob man wünsche, die Polizeiwache in Wermelskirchen zu behalten. Ich denke, ziemlich niedrig. Wenn so eine Liste etwa für das Büdchen am Markt ausgelegen hätte, hätte ich auch sofort unterschrieben. Oder für den Erhalt des Wochenmarktes oder für den Erhalt des Dhünnschen Strammbads oder der Post oder für die Beibehaltung des Kirmestermins oder oder… Wünschen kann man sich das alles.

Was ist aber eigentlich so wichtig daran, ein Polizeigebäude in Wermelskirchen zu haben? Denn nur darum geht es doch hier: Um die Räumlichkeiten. Wer von den 4.000 Unterzeichnerinnen und Unterzeichnern war denn schon einmal in der Polizeistation und warum?

Das ist für mich überhaupt die Kernfrage: Aus welchem Grund geht man in eine Polizeiwache? Wir sind doch hier nicht im “Großstadtrevier” auf dem Kiez mit jede Menge Publikumsverkehr, oder? Mag sein, dass ich da völlig falsch liege – ich war noch nie in einer Polizeiwache.

Jedenfalls benötigen wir, um das Thema objektiv beurteilen zu können, erstmal Zahlen und Fakten und nicht nur eine diffuse 4.000. Denn wie gesagt: Wünschen kann man sich viel und schnell…

So nicht Herr Rehse

Dass ein Schüler in der Schule gemobbt und körperlich angegriffen wird, ist schlimm, muss aufgearbeitet und für die Zukunft verhindert werden. Dafür gibt es Profis beim Jugendamt und LehrerInnen in der Schule. Die haben es gelernt, mit solchen Situationen umzugehen und ich habe das Vertrauen, dass hier ordentliche Arbeit gemacht wird.

Beinahe schlimmer als der Vorfall an sich sind aber zwei andere Dinge:
1. Ein pädagogisch völlig unqualifizierter Provinzpolitiker Henning Rehse wettert in bester Law-and-Order Manier gegen vermeintliche Kuschelpädagogik und fordert polternd den Schulverweis für die “Täter”. Und dann ? Sollen die Kinder “weggesperrt” werden ? Dazu fällt mir nur ganz spontan ein: “Wehret den Anfängen…”
2. Frau Tillmanns plaziert diese Geschichte über fast eine Woche auf Seite 1 ihres WNKUWG-Bürgermeister-Haus-und Hof-Lobhudel-Blättchens. Sie appelliert in ihrer “Berichterstattung” (nein, das kann man so nicht wirklich nennen) an die niedersten Stammtischinstinkte und verhindert eben damit, dass mit dem schlimmen Vorfall in angemessener Weise und professionell umgegangen werden kann.

Atommülllager Asse

Zum aktuellen Verschachern der Schwarz-Gelben Koalition von Atomkraftwerklaufzeiten – ohne weitere Worte:
Artikel auf Spiegel online

Wischiwaschi

Andrea Nahles. Wenn Ihnen nicht sofort einfallen sollte, in welchem Zusammenhang Sie den Namen Andrea Nahles schon einmal gehört haben sollten: Sie ist Generalsekretärin der SPD. Und sie hat sich jetzt mit der bemerkenswerten Einsicht zu Wort gemeldet, daß die Grünen eine Konkurrenz für die SPD sind und man sich abzugrenzen habe: “Politisch sind sie uns immer noch am nächsten, aber wir dürfen kein rot-grünes Wischiwaschi machen.” Was immer das bedeuten könnte, rot-grünes Wischiwaschi. Die Generalsekretärin will die Unterschiede zwischen beiden Parteien deutlich machen.  “Wir werden harte Wahlkämpfe für unsere eigenen Konzepte führen – in den Ländern und im Bund.” Toll. Hat die Partei bislang doch für die Konzepte anderer gefochten. Die Generalsekretärin ist offenbar fürs Generelle, fürs Allgemeine zuständig, für die Allgemeinplätzchen der SPD. Auch eine denkbare Interpretation ihrer Funktion. Generellsekretärin.

Wolfgang Horn

(zuerst veröffentlicht im Blog www.korno.de/blog)

Reif für die Insel war einmal…

Das finde ich mal einen ansatzweise konstruktiven Vorschlag: Gleich zwei Verbände der mittelständischen Wirtschaft wollen den Urlaub von ArbeitnehmerInnen um zwei Wochen kürzen! Aber warum eigentlich nur “um” und nicht “auf”? uralub

Das ist doch viel zu kurz gedacht. Schließlich wollen wir doch alle “den Aufschwung unterstützen”, wie Ursula Frerichs, die Vorstandsvorsitzende des Unternehmerverbandes mittelständische Wirtschaft fordert. Dafür will sie sogar ihre Besitzstände zurückschrauben.

Und ich finde, das sollten wir alle tun! Schließlich erspart uns das auch eine Menge Arbeit und Geld: Stundenlanges Suchen nach geeigneten Reisezielen, Koffer packen, Sonnencreme und so weiter und so fort. Umweltschonender ist es auch. Und das Ersparte können wir dann alle in diversen Aktienfonds anlegen, damit es irgendwann wieder da hin kommt, wo es hingehört.

Überhaupt sollte die ganze Schlunzerei in Deutschland mal aufhören. Die Schulkinder haben zwölf Jahre Zeit bis zum Abitur! Das muss man sich mal vorstellen. Und dabei ebensoviele Wochen Urlaub im Jahr. Zusammen mit den Lehrern. So kann das ja nichts werden mit dem Fachkräfte-Nachwuchs. Das muss schneller gehen. Also: Auch für Schüler und Lehrer nur noch zwei Wochen Urlaub im Jahr! Und Chinesisch als Pflichtfach im Kindergarten. Upps – Verzeihung! Ich glaube das heißt nicht mehr Kindergarten, sondern Kindertagungsstätte. Dann brauchen wir auch diese ominöse Chipkarte für die Kinder von HartzIV-Empfängern nicht mehr. Die wäre doch ohnehin nur nötig wegen zu viel Freizeit. Wo kommen wir denn da hin, wenn die Kinder ihre Zeit im Zoo oder im Schwimmbad vertrödeln?
(zuerst gepostet in www.petraswelt-online.de am 20.08.2010)