Welche Zukunft wollen wir für Wermelskirchen? Eindrücke aus dem Zukunftsausschuss vom 8. Juli 2026

30. Juli 2026 | Stadtratsfraktion, Wermelskirchen

Aus der Sicht von Klaus Ulinski, Sachkundiger Bürger im Zukunftsausschuss für die SPD Wermelskirchen

Die Sitzung des Zukunftsausschusses am  8. Juli 2026 hat sehr deutlich gezeigt, warum dieses Gremium für Wermelskirchen wichtig ist – und warum es mehr sein muss als ein weiterer Ausschuss im kommunalpolitischen Betrieb.

Zwei Beiträge standen dabei besonders im Mittelpunkt: Robert Schmitz von der FBG (Forstbetriebsgemeinschaft) gab einen eindrucksvollen Einblick in die Lage des Waldes rund um Wermelskirchen. Sein Bericht machte deutlich, dass unser Wald längst nicht mehr nur ein idyllischer Erholungsraum ist, sondern unter erheblichem Druck steht. Trockenheit, Schädlinge, Klimaveränderungen und wirtschaftliche Belastungen hinterlassen sichtbare Spuren. Der Zustand mancher Waldflächen ist bedenklich — und damit ist auch ein Stück Wermelskirchener Identität betroffen.

Denn der Wald gehört zu unserer Stadt. Er prägt unsere Landschaft, unser Klima, unsere Naherholung und auch das Lebensgefühl vieler Menschen hier vor Ort. Wenn es dem Wald schlecht geht, dann ist das kein Randthema für Spezialisten. Es betrifft uns alle.

Ebenso eindringlich war der Vortrag von Torsten Mühlinghaus, der deutlich machte, dass Landwirtschaft und Politik ihre Zukunftsthemen sehr viel enger und intensiver gemeinsam gestalten müssen. Landwirtschaft ist nicht nur Produktion von Lebensmitteln. Sie ist Flächennutzung, Klimaschutz, Landschaftspflege, Wirtschaftsfaktor, Familienbetrieb, Generationenfrage — und zunehmend auch Krisenmanagement.

Gerade in einer Stadt wie Wermelskirchen, die städtische und ländliche Strukturen miteinander verbindet, dürfen Wald, Landwirtschaft, Natur, Klima und Stadtentwicklung nicht getrennt voneinander betrachtet werden. Und das kann der konkrete Beginn und die eigentliche Aufgabe eines Zukunftsausschusses sein.

Zukunft lässt sich nicht in Zuständigkeiten aufteilen

Die Sitzung hat aus meiner Sicht noch einmal deutlich gemacht: Die großen Fragen unserer Stadt passen nicht ordentlich in einzelne Schubladen.

Der Zustand des Waldes ist nicht nur ein Umweltthema. Er betrifft Klimaanpassung, Wasserhaushalt, Naherholung, Wirtschaft, Eigentumsfragen und die Attraktivität unserer Stadt.

Die Zukunft der Landwirtschaft ist nicht nur ein Thema für landwirtschaftliche Betriebe. Sie betrifft Ernährung, regionale Wertschöpfung, Flächenentwicklung, Naturschutz, Energiefragen und das Verhältnis zwischen Stadtgesellschaft und ländlichem Raum.

Und genau deshalb braucht Wermelskirchen einen Zukunftsausschuss, der das große Ganze in den Blick nimmt. Nicht, um andere Fachausschüsse zu ersetzen. Nicht, um Zuständigkeiten durcheinanderzubringen. Sondern um Zusammenhänge sichtbar zu machen und politische Diskussionen dort zu führen, wo sie hingehören: vorausschauend, fachübergreifend und mit Blick auf die kommenden Jahre.

Warum das eine grundsätzliche SPD-Haltung ist

Für die SPD ist Zukunftspolitik keine Frage von schönen Überschriften. Sie ist eine Frage sozialer Verantwortung.

Wir fragen: Was bedeuten Veränderungen konkret für die Menschen in Wermelskirchen? Für Kinder und Jugendliche, für Familien, für ältere Menschen, für Beschäftigte, für Vereine, für Betriebe, für Landwirte und für Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer? 

Wenn sich das Klima verändert – und das tut es spürbar derzeit – trifft das nicht alle gleich. Wer in schlecht gedämmten Wohnungen lebt, wer gesundheitlich vorbelastet ist, wer sich keine private Vorsorge leisten kann, ist stärker betroffen. Wenn öffentliche Räume, Schulen, Wege, Wälder und Infrastrukturen unter Druck geraten, dann ist das auch eine soziale Frage.

Daher heißt sozialdemokratische Politik: Wir dürfen nicht warten, bis Probleme so groß geworden sind, dass nur noch Notlösungen bleiben. Wir müssen frühzeitig vorsorgen, gerechte Lösungen suchen und diejenigen einbeziehen, die von Entscheidungen betroffen sind.

Das gilt für den Wald ebenso wie für die Landwirtschaft. Das gilt für Hitzeschutz, Bildung, Mobilität, Digitalisierung, Katastrophenschutz und Finanzen gleichermaßen.

Wald und Landwirtschaft zeigen, worum es wirklich geht

Die Beiträge von Robert Schmitz und Torsten Mühlinghaus waren deshalb so wertvoll, weil sie nicht abstrakt geblieben sind. Sie haben gezeigt, wie konkret Zukunftsfragen in Wermelskirchen sind.

Wenn Waldflächen geschädigt sind, stellt sich die Frage: Wie können sie klimaresilient wieder aufgebaut werden? Wer trägt die Kosten? Welche Unterstützung brauchen Eigentümerinnen und Eigentümer? Welche Rolle spielt die Stadt? Wie sichern wir Naherholung, Artenvielfalt und Wasserspeicherung zugleich?

Wenn Landwirtschaft unter immer schwierigeren Bedingungen arbeiten muss, stellt sich die Frage: Wie können politische Entscheidungen verlässlich, praxisnah und langfristig angelegt werden? Wie gelingt ein Dialog, der nicht über Landwirtinnen und Landwirte spricht, sondern mit ihnen? Wie verbinden wir Naturschutz, Wirtschaftlichkeit, regionale Versorgung und Klimaanpassung?

Diese Fragen lassen sich nicht mit einem kurzen Verweis auf bestehende Zuständigkeiten beantworten. Sie brauchen politischen Willen, gemeinsame Beratung und die Bereitschaft, auch unbequeme Zielkonflikte offen auszusprechen.

Der Zukunftsausschuss darf kein Ausschuss der kleinen Zuständigkeiten werden

Ein Zukunftsausschuss verdient seinen Namen nur dann, wenn er nicht allein verwaltet, was ohnehin schon geregelt ist. Seine Aufgabe muss sein, große Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und in politischen Handlungsoptionen zu übersetzen.

Dazu gehören aus meiner Sicht insbesondere:

  • Klimaanpassung und Hitzeschutz, weil Extremwetter unsere Stadt, unsere Schulen, unsere älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger und unsere öffentlichen Räume unmittelbar betrifft.
  • Wald, Wasser und Landwirtschaft, weil sie für Wermelskirchen landschaftlich, ökologisch und wirtschaftlich prägend sind.
  • Jugend und Beteiligung, weil junge Menschen mit den Entscheidungen von heute am längsten leben müssen.
  • Katastrophenschutz und Krisenvorsorge, weil Sicherheit nicht erst im Ernstfall organisiert werden darf.
  • Digitalisierung, weil moderne Verwaltung, Bildung und Teilhabe ohne digitale Zugänge nicht mehr denkbar sind.
  • Mobilität und Stadtentwicklung, weil Wohnen, Arbeiten, Einkaufen, Freizeit und Erreichbarkeit zusammengedacht werden müssen.
  • Strategische Finanzfragen, weil jede Zukunftsentscheidung auch die Frage berührt, was sich Wermelskirchen leisten kann und leisten muss.

Der Zukunftsausschuss soll dabei keine Fachgremien übergehen. Aber er muss die Themen miteinander verbinden. Gerade dort, wo einzelne Ausschüsse naturgemäß nur einen Ausschnitt sehen, braucht es einen Ort für den Gesamtblick.

Verwaltung organisiert — Politik muss gestalten

Natürlich braucht Kommunalpolitik klare Zuständigkeiten. Verwaltung muss rechssicher handeln, Verfahren beachten und Beschlüsse umsetzen. Das ist wichtig und verdient Respekt.

Aber Politik darf sich nicht darauf beschränken, Zuständigkeiten zu verwalten.

Wenn bei Zukunftsthemen zu schnell gefragt wird, welcher Paragraph zuständig ist, und zu selten, welche Entwicklung auf unsere Stadt zukommt, dann verlieren wir den Kern politischer Verantwortung aus dem Blick. Zukunft entsteht nicht durch Aktenvermerke allein. Zukunft entsteht durch demokratische Debatte, durch Prioritäten, durch Beteiligung und durch den Mut, auch schwierige Fragen rechtzeitig zu stellen.

Die Sitzung am 8. Juli hat gezeigt, wie wertvoll es ist, wenn Fachleute aus der Praxis in den Ausschuss kommen und ihre Sicht einbringen. Genau das sollte zur Stärke dieses Gremiums werden: zuhören, verstehen, verbinden — und daraus politische Schlussfolgerungen ziehen.

Eine Stadt braucht eine Vorstellung von morgen

Am Ende steht eine einfache Frage: Welche Zukunft wollen wir für Wermelskirchen?

Wollen wir eine Stadt, die ihren Wald nur dann beachtet, wenn Schäden nicht mehr zu übersehen sind? Oder wollen wir frühzeitig überlegen, wie unser Wald unter veränderten Klimabedingungen erhalten und weiterentwickelt werden kann?

Wollen wir eine Politik, die Landwirtschaft vor allem als Betroffene von Vorgaben betrachtet? Oder wollen wir Landwirtschaft als Partnerin begreifen, wenn es um regionale Zukunft, Klima, Ernährung und Landschaft geht?

Wollen wir einen Zukunftsausschuss, der nur über unstrittige Randfragen spricht? Oder wollen wir ein Gremium, das die großen Themen dieser Stadt ernsthaft miteinander verknüpft?

Für die SPD ist klar: Wermelskirchen braucht eine Zukunftspolitik, die sozial, ökologisch, wirtschaftlich vernünftig und demokratisch ist. Eine Politik, die nicht erst reagiert, wenn Probleme eskalieren. Eine Politik, die die Menschen beteiligt, die vor Ort Verantwortung tragen.

Die Sitzung des Zukunftsausschusses am 8. Juli war dafür ein wichtiger Hinweis. Wald und Landwirtschaft haben gezeigt: Zukunft ist nicht abstrakt. Zukunft steht direkt vor unserer Haustür – manchmal als geschädigter Baumbestand, manchmal als landwirtschaftliche Betrieb unter Druck, manchmal als Frage, ob Polik noch rechtzeitig gestaltet. Zukunft ist ein Handlungsraum, der in der Gegenwart gestaltet werden kann.

Wermelskirchen braucht keinen Zukunftsausschuss, der über alles sprechen darf, nur nicht über die Zukunft. Wermelskirchen braucht einen Zukunftsausschuss, der seinen Namen verdient.

Weitere Beiträge

Unsere Themen

Archiv

In unserem Archiv finden Sie alle bisher veröffentlichten Beiträge auf einen Blick.